Seit 25 Jahren prägt Beate Höß-Zenker (im Bild links) als Geschäftsführerin im Bildungsbereich die Entwicklung der Pfennigparade maßgeblich mit. Im Interview spricht Beate über besondere Momente, mutige Ideen und die Kraft von Vertrauen.
25 Jahre Pfennigparade – wie fühlt sich das an?
Beate Höß-Zenker: „Ich feiere in diesem Jahr nicht nur mein persönliches 25-jähriges Jubiläum, sondern wir feiern auch gleichzeitig das 25-jährige Bestehen der Phoenix GmbH und der EBS GmbH. Beide GmbHs wurden damals neu gegründet. Ich hatte das Glück, von Anfang an die Geschäftsführung übernehmen und ihre Entwicklung begleiten zu dürfen. Dabei merkte ich schnell, dass ich hier die Möglichkeit habe, wirklich zu gestalten. Die Kultur der Pfennigparade war von Anfang an, Mitarbeitenden großes Vertrauen entgegenzubringen und sie zu ermutigen, Ideen umzusetzen. Viele der Projekte und Angebote, die heute selbstverständlich erscheinen, konnten nur entstehen, weil Innovation immer gefördert wurde.“
Was hat dir in dieser langen Zeit besonders Freude gemacht?
„Besonders erfüllt mich bis heute die Arbeit für die Kinder und Eltern. Es bereitet mir große Freude, Räume zu schaffen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind, die Bewegung ermöglichen sowie Entwicklung und Gespräche fördern. Zu sehen, wie Kinder – aber auch Eltern – diese Möglichkeiten nutzen, ist für mich eine der schönen Seiten meiner Arbeit. Ich erinnere mich an viele Kinder, die ich über sehr viele Jahre begleiten durfte. Viele kamen als kleine Kinder zu uns und stehen heute mitten im Leben – der Kontakt ist noch immer da. Zu erleben, wie Menschen oft viel mehr erreichen, als ihnen ursprünglich zugetraut wurde, gehört zu den schönsten Erfahrungen meines Berufslebens. Und wenn ich jetzt durch unsere Einrichtungen gehe und Kinder und Erwachsene lachen, lernen, sich bewegen und miteinander leben sehe, dann denke ich oft: „Genau so ist es richtig!““
Du hast enorm viel aufgebaut. Verrate uns doch, was deine Highlights waren.
„Meine Highlights sind tatsächlich selten die großen Meilensteine oder Events gewesen. Besonders geblieben sind mir Momente, in denen aus einer Idee Wirklichkeit wurde – zum Beispiel, dass wir 15 Jahre Weiterbildungszentrum für Fachkräfte zur pädagogisch-therapeutischen Konduktorin waren. Oder die vielen positiven Rückmeldungen bei den Abschlussfeiern – das ist immer ein sehr befriedigendes Gefühl. Wenn Eltern zum ersten Mal erlebten, dass ihr Kind selbstverständlich auf einer Schultheaterbühne steht. Oder wenn Mitarbeitende gemeinsam die Beteiligung an einem Kongress mit Symposiumsinhalt in kürzester Zeit möglich machen und dadurch die Pfennigparade vertreten. Aber auch das gemeinsame Feiern. Dass wir 2013 den „Welt-ZP-Tag“ nach Deutschland geholt haben und seitdem jedes Jahr damit Öffentlichkeitsarbeit machen – das sind für mich schöne Momente! Natürlich freue ich mich sehr, wenn ich sehe, was in den vergangenen Jahren neu entstanden ist: die Schulgebäude, neue Kinderhäuser, viele Bildungs- und Förderangebote. Aber das Entscheidende waren immer die Menschen, die diese Ideen mitgetragen und vor allem mit umgesetzt haben.“

Du hast die konduktive Förderung in Deutschland sehr vorangebracht. Warum ist dir dieses Thema ein Herzensanliegen?
„Weil die Haltung der konduktiven Förderung meinen eigenen Blick auf Menschen nachhaltig geprägt hat und das umsetzt, was ich schon als junge Therapeutin fühlte: Wir müssen Bewegung so früh wie möglich und so lange wie möglich ermöglichen, um Gesundheit zu erhalten – insbesondere für Menschen mit Körperbehinderung!
Schon früh habe ich erlebt, wie viel Entwicklung möglich wird, wenn man einem Menschen etwas zutraut und nicht zuerst auf seine Einschränkungen schaut. Mich hat immer beeindruckt, wie Kinder Herausforderungen annehmen, wenn man ihnen Wege eröffnet, statt Grenzen aufzeigt.
Deshalb geht es für mich bei der konduktiven Förderung bis heute um weit mehr als ein Konzept. Es geht um Teilhabe, Selbstwirksamkeit und die Überzeugung, dass jeder Mensch unwahrscheinliche Entwicklungsmöglichkeiten hat. Diese Haltung begleitet mich seit vielen Jahren und prägt auch meine Arbeit als Geschäftsführerin.“
Was wünschst du insbesondere den Kindern in der Pfennigparade für die nächsten 25 Jahre?
„Ich wünsche ihnen Menschen an ihrer Seite, die an sie glauben, sie ernst nehmen und ihnen viele Möglichkeiten eröffnen. Ich wünsche ihnen, dass sie in einer Gesellschaft aufwachsen, in der Vielfalt selbstverständlich ist und sie sie selbst sein können. Wenn Kinder erleben, dass sie dazugehören, mitentscheiden können und ihre Zukunft selbst gestalten dürfen, dann ist vieles erreicht.
Und das Gleiche gilt auch für jüngere Mitarbeitende – ihnen Möglichkeiten eröffnen, mitzugestalten und Ideen umzusetzen, so wie ich es damals auch erleben durfte. Eigene Entwicklung durch Lernen von neuen Dingen, wie zum Beispiel die Vorstellung der eigenen Arbeit an Tagungen – das ist ein schönes Gefühl!
Der Pfennigparade wünsche ich, dass wir wieder in ein besseres Fahrwasser kommen und damit auch wieder schneller Innovationen wie Renovierungen, Neubauten mit Hitzeschutz, mit moderner Technik, aber auch größere und schönere Räumlichkeiten für Therapie mit richtig großartigen Geräten für die Kinder und Menschen bei uns bekommen können – und wir somit auch unsere Ideen und tolle Arbeit in der Außenwelt sichtbarer machen. Genau das macht die Pfennigparade seit 75 Jahren aus.“