Podiumsdiskussion an der Phoenix: Weg mit den Barrieren!

Wo hakt es beim Thema Inklusion? Das wissen Schüler*innen der Phoenix-Schule ganz genau. Sie alle werden regelmäßig in ihrem Alltag behindert, weil der öffentliche Raum nicht barrierefrei ist. Dass sie sich bei der Politik Gehör verschaffen können, erlebten viele dagegen am 3. Mai zum ersten Mal ganz konkret. Bei einer Podiumsdiskussion unter dem Motto „Viel vor für Inklusion! Selbstbestimmt Leben – ohne Barrieren“ konnten sie sich mit Vertretern der Stadt München auf Augenhöhe austauschen. Die Idee zu der engagierten Gesprächsrunde kam von einem Schüler, der damit auch an die Protest-Woche der Aktion Mensch anknüpfen wollte.

Ein Tritt und schon purzeln die Barrieren: So einfach, wie es die Schüler zu Beginn der Podiumsdiskussion mithilfe von Pappkartons symbolisch darstellten, ist es leider nicht. Das wurde bei der Podiumsdiskussion an der konduktiven Phoenix Schule am 3. Mai schnell klar.

„Über Inklusion wird viel geredet. Aber es passiert wenig“, stellte Phoenix-Schüler Till Löhberg gleich zum Auftakt des Gesprächs fest. Auf seine Initiative hin fand der Termin statt. Neben Politikern und Vertretern der Stadt München waren viele Schüler*innen und ihre Angehörigen der kurzfristigen Einladung gefolgt.

„Steter Tropfen höhlt den Stein“, machte Franz Göppel vom Behindertenbeirat der Stadt den Kindern und Jugendlichen Mut. Politik, so lernten die Schüler*innen, braucht oft Zeit. Martin Blasi, der sich für den Stadtteil Bogenhausen um die Belange von Menschen mit Behinderungen einsetzt, ergänzte: „Wichtig ist, dass viele mitmachen, dann kann man auch etwas bewegen.“

Ärgernis Aufzug: „Defekt, vollgepieselt, vollgesprayt“

Insbesondere der öffentliche Nahverkehr in München war ein großes Thema. Dieser sorgt bei Rollstuhlfahrer*innen immer wieder für Unmut. Vom kaputten Fahrstuhl über fehlende Türöffner bis hin zu Busfahrer*innen, die Menschen im Rollstuhl absichtlich an der Haltestelle „übersehen“: Missstände wie diese sorgen dafür, dass sich Menschen mit Behinderungen in der Stadt nicht so selbständig fortbewegen können, wie sie es gerne möchten.

Luca, ein Schüler der Phoenix, brachte es auf den Punkt: „Aufzüge sind defekt, vollgepieselt, vollgesprayt. Spielplätze haben große Sandkisten, durch die wir mit dem Rollstuhl nicht fahren können.“ Oswald Utz, Behindertenbeauftragter der Stadt München und selbst Rollstuhlfahrer, fand hier deutliche Worte: „Ich möchte nicht immer wieder die gleichen Diskussionen von Anfang an führen. Alles, was neu gebaut oder saniert wird, muss barrierefrei sein.“ Zumindest kümmere sich die Stadt seit einer Weile selbst wieder darum, dass die Aufzüge funktionieren, statt diese Aufgabe an Fremdfirmen auszulagern. Auch würden MVG-Fahrer im Umgang mit Rollstuhlfahrer*innen geschult.

„Einkaufen, tanzen, essen gehen. Wie alle anderen auch!“

Doch auch die Privatwirtschaft müsse sich bewegen, forderte Jessica Kleyensteuber, die als Psychologin an der Phoenix-Schule arbeitet. „Ich möchte barrierefrei einkaufen können. Ich möchte tanzen gehen, essen gehen oder ins Kino wie alle anderen auch – doch überall fehlen Rampen, Behindertentoiletten oder Plätze für Rollstühle.“

Eine weitere große Baustelle ist das Schulsystem. Beate Höß-Zenker, Geschäftsführerin der Phoenix Schulen und Kitas GmbH, findet: „Die Partnerklassen sind ein gutes Modell in Richtung inklusives Schulmodell. Aber es muss dann auch langfristig und geplant für die Klassen Platz vorhanden sein. Entsprechende Räumlichkeiten für Kinder mit Förderbedarf müssen in die Raumkonzepte aufgenommen werden, auch ohne Therapieräume funktioniert es nicht.“

Die gute Nachricht: Gerade dort, wo sich Kinder engagieren, geraten Dinge manchmal schneller in Bewegung, als erwartet. Beate Höß-Zenker hat das schon öfters selbst erlebt. Sie ermutigte die Kinder, sich mit ihren Anliegen direkt an Vertreter*innen aus der Politik oder auch an die Presse zu wenden: „Jeder kann sich einbringen. Auch ihr Kinder!“ Oswald Utz, der sich bei der nächsten Wahl nicht mehr für sein Amt zur Verfügung stellen möchte, zeigte sich gerührt vom Engagement der Schüler*innen. Er ist zuversichtlich, dass die Kinder und Jugendlichen seine Mission für eine inklusivere Stadt fortführen werden: „Das erfreut mein Herz!“

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