Zwei Männer sitzen an ihren Computern am Schreibtisch. Einer sitzt in einem Elektrorollstuhl, der andere an einem normalen Bürostuhl.

Warum profitieren alle von digitaler Barrierefreiheit?

Barrierefreiheit kennen wir vor allem aus der baulichen Barrierefreiheit. Rampen und Aufzüge in öffentlichen Gebäuden gehören schon lange zum gewohnten Bild. Barrierefreiheit ist heutzutage aber auch ein digitales Thema. Aber warum ist das wichtig und warum profitieren wir alle davon? Und wer muss digitale Barrierefreiheit umsetzen? Das und mehr lesen Sie im Artikel.

Was sind digitale Barrieren?

Benutzt man eine Webseite auf herkömmliche Weise, also über einen Desktop mit Maus und Tastatur, fällt einem nicht auf, dass dort Hindernisse versteckt sein könnten. Ein blinder Mensch stößt hier aber an Barrieren. Woher weiß man beispielsweise, welche Informationen ein Bild übermittelt, wenn man das Bild überhaupt nicht sieht? Die digitale Barrierefreiheit bietet Lösungen, diese Informationen auf einem alternativen Zugangsweg zur Verfügung zu stellen – in diesem Fall über einen alternativen Beschreibungstext, der das Bild in Textform beschreibt. Dieser Text kann wiederum von einem speziellen Programm ausgelesen und wiedergegeben werden.

Die Anforderungen bieten aber nicht nur Alternativen für Menschen mit Seheinschränkungen. Weitere Einschränkungsarten betreffen die Bewegung, das Hören, Verstehen und Sprechen. Für all diese Personengruppen bietet die digitale Barrierefreiheit Standards, um Webseiten und andere digitale Medien bedienbar, verständlich, wahrnehmbar und robust zu gestalten (robust heißt in diesem Fall technisch korrekt).

Außerdem gilt es zu beachten, dass Menschen mit Einschränkungen auf unterschiedliche Weise an Informationen gelangen. Daher müssen diese so zur Verfügung gestellt werden, dass sie unabhängig von der Situation und vom Gerät benutzt werden. Es muss also egal sein, ob man auf einer Webseite unterwegs oder daheim surft, vom Handy oder vom PC.

Digitale Barrierefreiheit bedeutet also, dass alle Menschen digitale Medien und Informationen uneingeschränkt und ohne fremde Hilfe nutzen können.

Von digitaler Barrierefreiheit profitieren alle

Warum wir alle aber von digitaler Barrierefreiheit profitieren, kann man anhand eines alltäglichen  Beispiels erklären: Stellen Sie sich vor, Sie sind draußen unterwegs, die Sonne scheint auf ihr Handy und sie versuchen einen Text zu lesen. Das ist mal besser und mal schlechter möglich, manchmal erkennt man aber auch fast gar nichts. Das hängt hauptsächlich damit zusammen, wie gut sie die Kontraste auf der Webseite erkennen können. Eine dunkelgraue Schrift auf schwarzem Hintergrund werden sie so vermutlich nicht lesen können, egal wie hell Sie Ihr Handy stellen.
Die digitale Barrierefreiheit bestimmt Grenzwerte für Kontraste, die nicht unterschritten werden dürfen. Für manche Menschen mit einer Seheinschränkung ist dies absolut notwendig, da sie aufgrund ihrer Behinderung Kontraste nur schwer wahrnehmen können. Für diese Personengruppen ist der Text andernfalls nicht wahrnehmbar. Aber wir alle profitieren davon, wenn die Kontraste auf der Seite optimiert sind.

Setzt man die Anforderungen der digitalen Barrierefreiheit konsequent um, verbessern sich aber noch viele weitere Dinge: Suchmaschinen finden Inhalte besser, weil diese korrekt ausgezeichnet sind. Nutzer finden sich besser zurecht, weil die Usability optimiert ist. Videos können auch ohne Ton angeschaut werden, weil sie untertitelt sind. Eine Podcast können wir nicht nur anhören, sondern auch lesen. Einfache oder leichte Sprache vermittelt Inhalte auf einfache Weise, sodass sie von allen verstanden werden können. Und das sind nur einige Faktoren.

Wen und was betreffen die Anforderungen der digitalen Barrierefreiheit?

Digitale Barrierefreiheit betrifft nicht nur Webseiten, sondern verschiedene digitale Kommunikationsmittel. Diese umfassen Webseiten, mobile Apps, Software, stationäre Terminals, Smart TV, iBooks und vieles mehr.

In Deutschland sind öffentliche Stellen dazu verpflichtet, digitale Barrierefreiheit umzusetzen. Wen das betrifft, kann man in der nationalen Verordnung BITV 2.0 bzw. im jeweiligen Landesgesetz nachschlagen. Die BITV fußt auf einem normierten Standard. Dieser bezieht sich auf die internationalen Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.1) und setzt die Vorgaben der EU-Richtlinie 2016/2102 um. Die private Wirtschaft wird erstmals durch den European Accessibility Act aufgefordert, verschiedene digitale Angebote barrierefrei umzusetzen.

Sie wollen wissen, wie man digitale Barrierefreiheit  in einem Projekt umsetzt?
Dann lesen Sie unseren Fachartikel auf Pfennigparade.de

Fazit

Das Einhalten von Standards ist für manche Personengruppen essenziell. Rund 10 % der Bevölkerung sind auf digitale Barrierefreiheit angewiesen, um überhaupt am digitalen Leben teilhaben zu können. Darüber hinaus ist sie für 30 % der Bevölkerung wünschenswert  – man denke beispielsweise an ältere Menschen oder Menschen mit einem anderen sprachlichen Hintergrund. Aber berücksichtigen wir die ganzen zusätzlichen Faktoren, ist digitale Barrierefreiheit für wirklich jede*n von uns nützlich.

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