Wie gebärdet man eigentlich „Akku“, „Beamer“ oder „Falzbeil“?

Zwei Männer schauen auf Bildschirm mit Gebärdendolmetscher

Auf einem großen Bildschirm läuft ein Gebärdenvideo für einen Fachbegriff ab. Klaus Jacobi (Handbuchbinderei der Pfennigparade, li.) und Peter-Jacob Craxton (Hochschule Landshut) demonstrieren, wie „Sign4All“ funktioniert. (Bildnachweis: Dorothee Passin)

Unsere Handbuchbinderei in Unterschleißheim weiß es – und steuert ihre Kompetenz im Bereich Gebärdensprache zu einem digitalen Fachgebärden-Lexikon bei. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat das Projekt initiiert, die Hochschule Landshut ist Mitglied der Projektleitung. Die Leitung hat der Fachdienst für berufliche Integration Malt/Harms. Gemeinsam stellten sie es jetzt der Öffentlichkeit vor.

Sowohl für den allgemeinen Arbeitsmarkt und den dort herrschenden Fachkräftemangel wie auch für Inklusion und Teilhabe ist das digitale Fachgebärden-Lexikon wegweisend: Es gibt Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, als Fachkraft qualifizierte Arbeit zu verrichten – ein wichtiger Baustein für ein selbstbestimmtes Leben.

Aktuell arbeiten bereits Dentallabore, Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrttechnik, Handbuchbindereien und Betriebe aus vielen weiteren Berufsfeldern mit dem digitalen Fachgebärdenlexikon. So können sie qualifizierte Fachkräfte mit Hörbeeinträchtigung ausbilden und beschäftigen. Ein wichtiger Punkt beim Fachkräftemangel, der auch vor diesen Sparten nicht Halt macht.

Sign4All“ unterstützt ausgewählte Berufsfelder mit Fachgebärden. Der Projektstand wurde jetzt bei der Handbuchbinderei der Pfennigparade in Unterschleißheim der Öffentlichkeit präsentiert. (Bildnachweis: Dorothee Passin)

Schub für Inklusion

Das Lexikon funktioniert wie ein gewöhnliches Fremdwörterbuch, die Übersetzung findet zwischen textlichem Begriff und Gebärdensprache statt. Klaus Jacobi von der Handbuchbinderei und Peter-Jacob Craxton von der Hochschule Landshut gebärden und übersetzen im Tandem für „Sign4All“. Beide sind gehörlos und bauen das Gebärdenlexikon für den Bereich Handbuchbinderei gemeinsam aus. Ziel bis 2025 ist es, dass die digitale Datenbank rund 5.000 Fachgebärden aus verschiedenen Berufsfelder umfasst. Damit zum Beispiel ein Handwerk wie die Handbuchbinderei, dessen Dienstleistungen immer seltener gefragt sind und für das dennoch genügend Aufträge, zum Beispiel von öffentlicher Hand, auch in Zeiten des Fachkräftemangels weiterlebt. Und, damit gut qualifizierte Fachkräfte mit Hörbehinderung eine erfüllende Arbeit ausführen können, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. „Auf unserem Logo steht ‚Die Zukunft zählt auf uns.‘ „Sign4All“ ist ein Meilenstein für Inklusion und wir sind stolz, dass wir als Teil der Stiftung Pfennigparade einen Beitrag dazu leisten können.“

Zurück zur vorherigen Seite