Das Deutsche Museum und die Stiftung Pfennigparade gehen gemeinsam einen weiteren Schritt hin zu mehr Inklusion im Bildungsbereich. Ab sofort bieten beide Münchner Institutionen Führungen an, bei denen Guides mit und ohne Behinderung im Tandem durch die Ausstellungen des Museums führen – für völlig neue Perspektiven.
Die Tandemführungen im Deutschen Museum eröffnen neue und unerwartete Perspektiven für alle Beteiligten. Buchstäblich „in Führung zu gehen“ bedeutet für die Guides eine Stärkung ihres Selbstwertgefühls. Besucher*innen erleben Menschen mit Behinderung als Expert*innen – ein interessanter Rollenwechsel, der zum Nachdenken anregen kann.
Zudem fördern die Führungen soziale Interaktionen und bieten den Guides die Chance zur beruflichen Weiterentwicklung. Nicht zuletzt macht es den Museumsführer*innen schlicht Freude, ihre Interessen und Leidenschaften teilen zu können – eine Freude, die sich auf die Besucher*innen überträgt.
Gemeinsam in Führung gehen
Die ersten Guides mit Behinderung, Milán Bácskai und Armin Cremerius, führten am 29. April erstmalig im Tandem mit den Museums Communicators Anna-Lena Kämper und Tom Sittenauer durch das Deutsche Museum. Milán, der im Rollstuhl sitzt und ein Beatmungsgerät benötigt, führte durch die Robotik-Ausstellung. Armin, der eine Sprachstörung hat, informierte in der Luftfahrt-Ausstellung über historische Flugzeuge.
„Ich finde es toll, dass wir die Führungen nicht trocken machen, sondern experimentell unterwegs sind, mehr praktisch und vor allem auch locker, mit Spaß“, sagte Milán, der bereits ein Praktikum im Deutschen Museum absolviert hat.
Armin hat einen Außenarbeitsplatz in der Bibliothek des Deutschen Museums und liebt seine neue Aufgabe als Guide: „Ich denke, dass es eine Win-Win-Situation für beide Organisationen ist.“
Expertenrolle stärkt Selbstwertgefühl
Sandra Kittmann, Initiatorin des Projekts und verantwortlich für den Fachbereich Barrierefreiheit und Inklusion im Deutschen Museum, sagte anlässlich der ersten Tandemführung:
„Mit der Pfennigparade gehen wir hier einen neuen wichtigen Schritt in Richtung Inklusion im Bildungsbereich. Wir für euch – gerne jederzeit an Aktionstagen und Führungsangeboten, doch gemeinsam für alle – das ist das eigentliche Ziel der Inklusion!“
Modell für bundesweite Nachahmung
Thomas Heymel von der Stiftung Pfennigparade wünscht sich, dass die Tandemführungen als Beispiel für gelungene Inklusion bundesweit zur Nachahmung anregen. „Auf meine Frage hin, was es eigentlich mit den Besucher*innen macht, wenn plötzlich Menschen mit Behinderung eine Führung geben – zum Teil auch mit sprachlichen Einschränkungen – habe ich die denkbar schönste Antwort erhalten: Die Besucher*innen hören genauer hin. Und sie kommen näher, rücken auch mehr zusammen. Die Behinderung spielt dabei keine Rolle mehr.“
Das Deutsche Museum und die Stiftung Pfennigparade arbeiten seit 2022 zusammen, um barrierefreie Vermittlungsangebote zu gestalten.
