Kann Robotik ermöglichen, dass Menschen mit Lähmungen einen Rollstuhl oder Roboterarm steuern können? Das wollen Studierende der Technischen Universität München (TUM) mit Menschen mit Behinderungen aus der Pfennigparade herausfinden.
Mehr Selbstständigkeit durch Forschung
In den kommenden Jahren sind wir Teil eines Forschungsprojekts der TUM und des Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (MIRMI). Ziel dieser Forschung ist es, Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) so einzusetzen, dass sie den Alltag von Menschen mit Behinderungen erleichtern. Dabei sollen speziell zugeschnittene Technologien entwickelt werden, die Personen unterstützen, die aufgrund von Krankheit oder Unfall in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind.
Hohe Motivation der Beteiligten
Zu Beginn des Projekts haben wir Menschen mit Behinderungen in der Pfennigparade gesucht, die bereit sind, sich an der Forschung zu beteiligen – und das Interesse ist groß. „Es gibt eine hohe Bereitschaft, bei uns mitzumachen“, berichtet Robert Hofer, Geschäftsführer des Ambulanten Dienst der Pfennigparade, der die Koordination des Projekts leitet. „Menschen mit körperlichen Einschränkungen sind froh über jeden Schritt, den die Technik für sie tun kann. Mitzuhelfen, dass eines Tages auch andere Menschen von neuen Roboterlösungen profitieren, ist eine große Motivation.“
Gemeinsam zu besseren Lösungen
Die teilnehmenden Personen arbeiten eng mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen. Dabei stehen die individuellen Bedürfnisse und Erfahrungen der Betroffenen im Mittelpunkt. So kann sichergestellt werden, dass die entwickelten Lösungen praxistauglich sind. Für die Durchführung der Experimente hat die Pfennigparade spezielle Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.


Die Versuche
Zu Beginn der Studie wird untersucht, wie die Muskeln von zwei Menschen mit Rückenmarksverletzungen arbeiten. Dabei nutzen die Forschenden ein Gerät, das die elektrische Aktivität von Nerven und Muskeln misst.
Dennis Bruder, Versuchsperson und Tetraplegiker, erklärt, was gemacht wird: „Am Anfang werden Elektroden an meinem Arm aufgeklebt. Ich kann meine Arme aufgrund meiner Querschnittslähmung nicht bewegen, ich habe lediglich ein Rest-Gefühl auf der Haut. Dann versuche ich verschiedene Bewegungen auszuführen, beispielsweise mit meiner Hand zugreifen. Die Elektroden messen feine Signale meiner Muskeln und Nerven, die noch vorhanden sind. Das sieht man dann auf dem Bildschirm.”


Nervenimpulse nutzbar machen
Ziel ist es, zu überprüfen, ob diese Signale genutzt werden können, um beispielsweise einen Rollstuhl oder einen Roboterarm zu steuern. „Wir möchten herausfinden, ob wir Signale von den gelähmten Muskeln erkennen können, die mit Bewegungen in Zusammenhang stehen“, erklärt Ioannis Xygonakis vom MIRMI. Zudem wurden von den Forschenden Fragen entwickelt, um festzustellen, wie gut die Teilnehmenden alltägliche Aufgaben bewältigen können.
Technologien mit großem Potenzial
Dennis Bruder freut sich über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit:
„Natürlich bin ich mir bewusst, dass der Weg von der Forschung zum Produkt weit ist. Andererseits ist dieser Weg besonders spannend! Ich kann Feedback geben und eigene Ideen einbringen. Am Ende hoffe ich natürlich, selbst davon zu profitieren. Sei es, dass ich irgendwann Körperteile steuern kann, die ich aktuell nicht bewegen kann oder Technologien steuere, die mich im Alltag unterstützen.“
Zukunftsweisende Zusammenarbeit
Mit dieser Zusammenarbeit leisten wir einen aktiven Beitrag dazu, dass technologische Innovationen direkt in das Leben von Menschen mit Behinderungen einfließen. Wir sind zuversichtlich, dass die kommenden Jahre bedeutende Fortschritte bringen werden, und freuen uns, Teil dieser wegweisenden Forschung zu sein. Unsere Hoffnung ist, dass die Ergebnisse nicht nur uns, sondern vielen Menschen weltweit zugutekommen.