Obwohl in wenigen Tagen, am 28. Juni 2025, das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz in Kraft tritt, zeigt eine Studie der Pfennigparade: Die meisten Online-Shops in Deutschland erfüllen weiterhin nicht einmal die Mindestanforderungen an digitale Barrierefreiheit.
Trotz der bevorstehenden gesetzlichen Verpflichtung zur Barrierefreiheit sind viele digitale Angebote in Deutschland noch immer nicht für alle Menschen zugänglich. Das zeigt eine aktuelle Studie, die am 17. Juni 2025 bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Google, der Stiftung Pfennigparade und Aktion Mensch vorgestellt wurde.
Die Untersuchung beleuchtet die Barrierefreiheit der 65 meistbesuchten Online-Shops in Deutschland. Mit ernüchterndem Ergebnis: Nur rund ein Drittel der Shops ist über die Tastatur bedienbar und somit für viele Menschen mit Behinderung überhaupt nutzbar. Zudem bieten die meisten getesteten Webseiten keinen sichtbaren Tastaturfokus. Dies erschwert es Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen, das aktuell ausgewählte Element zu erkennen.
Mit dem Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes am 28. Juni 2025 endet die Umsetzungsfrist der entsprechenden EU-Richtlinie. Unternehmen, die ihre digitalen Angebote nicht barrierefrei gestalten, drohen künftig Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. Ausgenommen sind lediglich Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz unter zwei Millionen Euro.
„Kein Nice-to-have, sondern ein Menschenrecht“
Die Stiftung Pfennigparade engagiert sich seit mehr als 70 Jahren für Menschen mit Behinderungen. Seit einigen Jahren setzt sie sich verstärkt dafür ein, dass auch im digitalen Raum Barrierefreiheit gelebte Realität wird. Hierzu hat die Stiftung im Jahr 2022 das Test.Labor Barrierefreiheit eröffnet. „Digitale Barrierefreiheit ist kein Nice-to-have, sondern ein Menschenrecht“, betont Thomas Heymel, Sprecher der Pfennigparade. „Gerade im Online-Handel darf niemand ausgeschlossen werden.“
Die aktuelle Studie zeigt zwar eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr – 2024 waren nur 20 Prozent der Shops barrierefrei. Doch der Handlungsbedarf bleibt groß. In Deutschland leben rund 7,8 Millionen Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung – darunter etwa 350.000 mit Sehbehinderung oder Blindheit. Für sie ist die Tastaturbedienbarkeit eine grundlegende Voraussetzung für die Nutzung digitaler Angebote.
Die Stiftung Pfennigparade appelliert daher eindringlich an Unternehmen, ihre Verantwortung ernst zu nehmen: „Barrierefreiheit ist eine Investition in Inklusion, Kundenzufriedenheit und Zukunftsfähigkeit“, so Thomas Heymel.
