Leinen los! Schüler*innen der Pfennigparade wagten sich zum ersten Mal allein im Segelboot aufs Wasser des Ammersees – trotz ihrer teilweise schweren körperlichen Einschränkungen. Der Ausflug ermöglichte ihnen eine besondere Erfahrung.
Sonnenschein und eine leichte Brise – das Wetter meinte es gut mit den Schüler*innen der Klasse 8a der Ernst-Barlach-Realschule. Ein Glückfall, stand am Morgen des 15. Juli 2025 doch eine besondere Premiere an: Zum ersten Mal glitten die Jugendlichen ganz allein im Segelboot aufs Wasser des Ammersees hinaus. Und das trotz ihrer teilweise schweren körperlichen Einschränkungen.
Kentersicher und unsinkbar: Im Mini-12er-Boot auf den Ammersee
Die Jugendlichen, die teilweise ihre Beine nicht spüren oder nur eine Hand nutzen können, steuerten ihre Boote souverän und mit wachsendem Selbstbewusstsein. „Am Anfang war ich aufgeregt, als ich mit dem Boot rausgefahren bin. Aber dann war es gut!“, erzählt die 14-jährige Jasmin. Sie kann von Geburt an nur eine Hand uneingeschränkt nutzen. „Beim normalen Segeln hat man mehrere Seile gleichzeitig in den Händen. Aber hier ist es so, dass man die Seile festmachen und mit einem Knüppel steuern kann. Dadurch konnte ich das Boot gut steuern“, erklärt sie.


Die eingesetzten Mini-12er-Boote eignen sich ideal zum Sammeln erster „Seemeilen“: Jede*r Segelnde sitzt allein im Boot und trifft alle Entscheidungen für sich selbst. Die Segel lassen sich einfach und ohne Kraftaufwand mit nur einer Hand bedienen. Im Kurs lernen die Schüler*innen, wie die Segelstellung vom Wind abhängt, wie man eine Wende fährt und vieles mehr. Motorik, Gleichgewichtssinn und Sensorik werden dabei auf besondere Weise geschult.
Vom Steg aus gab Werner Otto, stellvertretender Schulleiter und Organisator des Projekts, Anweisungen. Ein Begleitboot und ehrenamtliche Unterstützer*innen von FIDS (Foundation for Integrated Disabled Sailing) sorgten zusätzlich für Sicherheit. Der Segelausflug – so personal- und kostenintensiv er auch sein mag – ist Werner Otto ein Herzensanliegen:
„Segeln ist Ganzkörperphysik. Gerade Menschen mit körperlichen Einschränkungen haben weniger Möglichkeiten, Gleichgewichtserfahrungen zu sammeln oder das Zusammenspiel von Kraft und Gegenkraft zu erleben. In den Mini-12er Booten spürt man unmittelbar jede Auswirkung von Gewichtsverlagerung, Segel- und Kursveränderung.“


Segelausflüge sind spendenfinanziert
„Ich bin nicht abhängig“, freute sich auch der 15-jährige Theo, der Kinderrheuma hat. Nach seinem ersten Ausflug über das blaue Wasser des Ammersees strahlte er über das ganze Gesicht. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach geht!“ Die neue Erfahrung vermittelt ihm ein Gefühl von Selbstwirksamkeit und steigert sein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Der Segelausflug der Ernst-Barlach-Realschule wurde über Spenden finanziert und organisatorisch von der FIDS-Stiftung unterstützt. Er soll im kommenden Jahr erneut angeboten werden. So groß der Aufwand auch ist: Werner Otto ist davon überzeugt, dass sich diese Erfahrung für die Schüler*innen auszahlt. „Wer sich selbst auf dem Wasser frei bewegen kann, fühlt sich besser und kann das dann auch in der Welt tun.“
Zum Abschluss des gelungenen Segelabenteuers ging es für alle, die Lust hatten, noch gemeinsam aufs XXL-SUP – ein echtes Teamerlebnis, bei dem der Spaß am gemeinsamen Erleben im Vordergrund stand.
Einen schönen Eindruck vom Segelausflug der 8a der Ernst-Barlach-Schule vermittelt dieser Fernsehbeitrag. Wenn auch Sie Jugendlichen mit Behinderung die einmalige Erfahrung des Segelns möglich machen möchten, freuen wir uns über Ihre Spende.

