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Volle Kraft für Inklusion – Tims Mama im Interview

Tim läuft mit Racerunner auf Rennbahn

Vorabinfos: Tim ist neun Jahre alt. Durch einen Sauerstoffmangel bei der Geburt hat Tim eine angeborene Behinderung – eine Zerebralparese. Er besucht die Pfennigparade bereits seit seinem letzten Kindergartenjahr.

Was verstehen Sie unter Inklusion? Was bedeutet Inklusion für Kinder wie Tim?

Inklusion bedeutet für mich, dass Menschen mit und ohne Behinderung miteinander leben, aufeinander Rücksicht nehmen und sich akzeptieren – unabhängig davon, welche Stärken oder Einschränkungen sie haben.

Für Tim heißt Inklusion, dass er mit Freunden und Kindern in seinem Alter zusammen spielen kann und dabei so akzeptiert wird, wie er ist. Dass es kein Problem darstellt, wenn er sich bei bestimmten Dingen schwerer oder leichter tut. – Für Tim bedeutet Inklusion das Gefühl dazu zu gehören, als die Person, die er ist.

Warum ist Inklusion wichtig? Welche Relevanz hat das Thema und warum?

Inklusion ist wichtig, weil kein Kind und kein Mensch für sein Aussehen oder seine Behinderung gehänselt werden sollte. Leider wird Inklusion in vielen Bereichen noch nicht gelebt. Das fällt uns an den unterschiedlichsten Orten auf. Wenn wir zum Beispiel draußen sind, erleben wir leider oft, wie andere Kinder oder Erwachsene Tim mit schiefen Blicken ansehen, ihn anstarren oder sich manchmal sogar über ihn lustig machen. Diese Situationen tun weh und Tim bemerkt das Verhalten der anderen auch und fühlt sich durch solche Situationen sehr verletzt. Schließlich hat er nichts Falsches getan. Auch am Spielplatz, an dem Tim einfach wie jedes Kind spielen möchte, erlebt Tim immer wieder Situationen, in denen Kinder ihn hänseln oder ihn nicht ernst nehmen.

Zum Glück gibt es einige offene Kinder und Familien. Tim spielt manchmal mit Kindern zusammen, die auf ihn Rücksicht nehmen und einen Gang zurückschalten können, ihn zum Beispiel beim Fußballspielen ins Tor lassen und dann vorsichtiger mit dem Ball schießen. In solchen Momenten ist Tim überglücklich und strahlt über das ganze Gesicht. Er spürt, dass er mit dazugehört und hat wie jedes Kind mit Anderen Spaß am Fußball spielen.

Tim hat im letzten Monat an vielen Bushaltestellen und Litfaßsäulen für das Thema Inklusion geworben. Wie ging es ihm damit? Hat sich seitdem etwas im Leben von Tim verändert?

Tim ist wahnsinnig stolz und hat sich riesig gefreut, überall in der Stadt mit seinem RaceRunner auf Plakaten zu sehen zu sein. Tim bekam sehr viel positives Feedback von Freunden, Bekannten und Verwandten und darauf ist er äußerst stolz. – (Tim durfte sich ein bisschen wie ein Star fühlen.)

Was ist Tim in seinem Leben am wichtigsten?

Tim ist eigentlich dasselbe im Leben wichtig wie anderen Kindern in seinem Alter auch – der Kontakt mit Freunden – das gemeinsame Spielen. Tims größte Hobbies sind RaceRunning, Fahrrad fahren, Schaukeln und Fußball spielen. Manchmal darf er sogar mit Papa die Spiele des FC Bayern ansehen, wobei seiner Meinung nach Bayern IMMER 5:0 gewinnen müsste.

Junge auf Motorrad im Jahrmarkt-Karussel

Welche Bedeutung hat der Sport RaceRunning für Tim?

Eine sehr große. Durch RaceRunning kann Tim seinen Bewegungsdrang ausleben und sich viel schneller fortbewegen als üblich. RaceRunning ermöglicht Tim den Kontakt und das Beisammensein mit Anderen, ohne dabei zu langsam zu sein. Es ermöglicht ihm Selbstständigkeit, indem er etwas alleine machen kann. Er kann alleine auf den RaceRunner auf- steigen und einfach loslaufen. – RaceRunning ermöglicht Tim ein großes Stück Freiheit und Spaß.

Tim kann es kaum erwarten, wieder in einem Team trainieren zu können und seinen Lieblingssport auf der INSEL weiter auszuüben.

Junge mit Racerunner und seine Mutter beim Hope und Possibility Run

Hat Corona zu zusätzlichen Einschränkungen in Tims Leben geführt? Warum ist es besonders in Coronazeiten wichtig, sich weiter für das Thema Inklusion einzusetzen?

Ja, auf jeden Fall. Besonders die Schulschließung belastet Tim sehr, da er dadurch keinen Kontakt mehr zu seinen Freunden pflegen kann, da diese nicht wie bei gesunden Kindern in direkter Nachbarschaft wohnen und man sich einfach mal schnell auf dem Spielplatz treffen oder mit Kontakt zu anderen Eltern aufnehmen kann. Allgemein ist es für ihn besonders schwer, dass der soziale Kontakt so stark eingeschränkt ist.

Mit welchen Herausforderungen sind Sie als Familie konfrontiert? Wie meistern Sie diese? An was fehlt es? Vor welchen Herausforderungen steht Ihr Sohn?

Die Gesamtsituation ist natürlich nicht einfach und gerade jetzt in Coronazeiten sind viele Einschränkungen nochmal extremer spürbar. Wir versuchen es mit Humor zu nehmen und das Beste aus dieser Zeit zu machen – Tim übrigens auch!

Was sollte die Gesellschaft über Kinder/ Menschen mit Zerebralparese wissen?

Kinder und Erwachsene mit Zerebralparese sind vielleicht besondere Menschen, aber haben ganz normale Gefühle wie andere auch und wollen diese genauso ausleben. Vielen Leuten ist eigentlich gar nicht bewusst, wie klar Kinder wie Tim ihre Umwelt wahrnehmen und damit auch die Reaktion auf sein manchmal etwas andersartiges oder auch irritierendes Verhalten. Die Kinder können sich freuen und traurig sein. Sie bekommen mit, wenn andere über sie reden und fühlen sich (wie jeder andere auch) dadurch verletzt, sie nehmen die Umwelt bewusst war und fühlen, wenn jemand sie anstarrt.

Leider sind oft die Eltern das Problem, weil diese ihre Kinder wegziehen statt den Kontakt und den Austausch zu suchen.

Was sollte die Gesellschaft tun, damit Inklusion vorangetrieben werden kann?

Es ist enorm wichtig, die Berührungsängste abzuschaffen. Ich denke, viele Menschen meiden Menschen mit Behinderung, weil sie nicht wissen wie sie sich verhalten sollen. Dabei gibt es keine besondere Verhaltensweise. Man sollte sich immer normal und anständig verhalten, egal ob jemand eine Behinderung hat oder nicht.

Ich denke es ist dringend notwendig, mehr Aufklärung zu betreiben und mehr Orte der Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu schaffen – denn nur so kann Inklusion vorangetrieben werden.

Inwiefern konnte die Pfennigparade bei der Förderung Ihres Kindes behilflich sein?

Die Pfennigparade hat massiv bei Tims Förderung geholfen. Er geht seit dem Kindergarten in die Phoenix und hat sich seitdem enorm weiterentwickelt. Vor allem das konduktive Prinzip, das in der Schule verfolgt wird, trägt enorm zum Erlernen der Selbstständigkeit bei. In der Schule ist alles in den Tagesablauf integriert. Neben dem Schulunterricht gibt es Therapie- und Freizeitangebote. Auch während des Unterrichts sind die Therapeuten mit im Klassenzimmer dabei. Bei der konduktiven Förderung geht es darum, den Kindern Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten und darauf aufzubauen, was das Kind bereits kann. Den Kindern wird etwas an die Hand gegeben, mit dem sie weiterarbeiten können. Auch die Therapien in der Gruppe sind sehr wertvoll, weil die Kinder dort sehen, dass jedes Kind individuelle Stärken und Schwächen und somit jeder seine eigenen Erfolgserlebnisse hat.

Filmtipp: Tim in der BR Abendschau vom 15.01.2021

Tim steht vor einem Plakat, das ihn auf einem Racerunner, einem Rennlaufrad, zeigt

Bericht über Tim in der BR Abendschau vom 15.01.2021

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