Bühne frei

Einfach gute Unterhaltung: Im Kreativ Labor der Pfennigparade macht eine Gruppe mit Beschäftigten mit Körperbehinderungen und Autismus-Spektrum-Störungen professionell Theater und Musik.

Darstellende Kunst ist Arbeit und kann mitunter ganz schön anstrengend sein. „Nach zwei, drei Stunden Probe bin ich platt“, sagt Peter. Peter ist seit mittlerweile vier Jahren Ensemblemitglied im Kreativ Labor, einem Werkstattangebot der Pfennigparade. Von Montag bis Freitag machen die maximal 13 Werkstattbeschäftigten Theater und Musik – mit viel Lust an Spiel und Spaß.

„Jede und jeder kann mitreden und Ideen einbringen“, sagt Gruppenleiter Alexander Müller, der nebenbei auch noch Schlagzeuger der Band „Kreativ Labor“ ist. Die hat gerade ihre erste Platte „Der Rote Faden“ aufgenommen mit den besten Bühnenhits der vergangenen zehn Jahre. Bis zu 20 Auftritte hat die Band im Jahr, dazu kommen zwölf Aufführungen des Theaterstücks, das sie im Kreativ Labor jedes Jahr erarbeiten und meist im Herbst zur Aufführung bringen. Die kreative Truppe der Pfennigparade hat längst ihre eigene Fangemeinde in der Münchner Kleinkunstszene. Die Vorstellungen sind meist ausverkauft und werden längst nicht mehr nur von Menschen innerhalb der Pfennigparade besucht.

„Wir wollen gut unterhalten, die Behinderung der Schauspieler*innen soll dabei keine Rolle spielen“, sagt Müller. Es sei denn, die spezifischen Einschränkungen der Mitarbeiter*innen lassen sich gut in die Performance integrieren. Vermeintliche Schwächen, wie Peters Sprachstörung zum Beispiel, werden auf der Bühne dann zu Stärken. Das Kreativ Labor versucht so mit Humor Inklusion neu zu definieren. Davon profitiert nicht nur das Publikum, sondern auch die Schauspieler*innen selbst. „Für mich ist es schon so, dass ich total aufblühe“, sagt Peter und tänzelt über die Bühne.

Gerade arbeitet die Schauspiel-Gruppe mit dem externen Regisseur Moritz Franke an ihrem neuesten Stück. Es soll um die Wahrnehmung von Zeit gehen. Klingt abstrakt, wird aber sehr anschaulich erlebbar, wenn sich Sarah auf der Bühne ganz langsam aus ihrem Rollstuhl heraus in eine Stehposition bringt. „Das ist dann durchaus auch eine Herausforderung“, sagt Müller. Aber eben auch gelebte Inklusion. „Für uns ist das ganz wichtig, dass die Leute sagen: Wow, die haben echt was drauf!“ sagt Peter. Schließlich soll sich die harte Arbeit auch lohnen.