„Two-ninety please, thank you and have a nice day! Du hörst, mein Englischkurs macht sich schon bezahlt. Schließlich kommen hier am Knödelplatz Leute aus aller Welt vorbei. Um 8.30 Uhr mache ich im Kiosk das Licht an. Ich zähle die Kasse, fülle die Regale mit Tabakwaren, Süßwaren, Getränke in die Kühlschränke und schaue, welche Waren nachbestellt werden müssen. Der Job ist durchaus verantwortungsvoll, aber das Team vertraut mir. Alle Leute hier sind supernett.

Ich sitze seit 2017 dauerhaft im Rollstuhl – vermutlich wegen einer neuromuskulären Erkrankung. Aber meine Einschränkung spielt hier keine Rolle. Trotzdem gut, dass der Kiosk behindertengerecht ausgebaut ist. Die Regale hinter mir zum Beispiel sind Pater-Noster, die ich hoch- und runterfahren lassen kann, damit ich alles immer erreichen kann. Ich arbeite wahnsinnig gerne, auch wenn es einem die zuständigen Behörden nicht leicht machen.
Gerade wollen mir die Behörden zum Beispiel keinen Aktivrollstuhl bezahlen. Den brauche ich, weil mein elektrischer Rollstuhl zu groß und nicht wendig genug für diesen kleinen Laden ist. Der Sozialdienst des ChancenWerks hilft mir, trotzdem ist mein Antrag jetzt schon mehrfach abgelehnt worden. Dabei sollten die doch eigentlich Menschen mit Behinderung fördern, die sich in den allgemeinen Arbeitsmarkt integrieren wollen, oder?


Weil das hier ein ausgelagerter Arbeitsplatz der Pfennigparade ist, fühle ich mich geschützt und unterstützt. Ich bin immer noch Werkstattmitarbeiter, arbeite aber eben in diesem Kiosk. So bin ich dem rauen Wind auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht ausgeliefert und werde auch weiterhin von den Jobcoaches betreut, die mir arbeitsbegleitende Angebote und die Teilnahme an Therapien während der Arbeit ermöglichen und mich auch außerhalb der Arbeit, etwa im ambulant betreuten Wohnen, begleiten. So vereint der Job im Wunschbrunnen für mich das Beste aus beiden Welten.
Inklusion ist uns eine Herzensangelegenheit. Deshalb haben wir den Kiosk von Anfang an behindertengerecht ausgebaut. Christian ist super, er gehört mittlerweile fest zum Team und zeigt uns jeden Tag, was trotz einer vermeintlichen Einschränkung alles möglich ist. Das hat die Kultur im ganzen Unternehmen positiv verändert.
Michael Meier, Geschäftsführer der Werksviertel Service GmbH & Co.KG
Um 16 Uhr ist meistens Schichtwechsel. Dann fahre ich heim in die Pfennigparade, um mich um meine Frau zu kümmern und das Abendessen zu kochen. Ich habe immer viel um die Ohren, aber ich mag Action und Abenteuer. Nicht umsonst sind meine Frau und ich große Country- und Westernfans. Wenn es irgendwie geht, fahren wir am Wochenende nach „Pullman-City“. Die Westernstadt in Niederbayern ist nach der Pfennigparade und dem Wunschbrunnen meine zweite Heimat geworden.“