Woo lebt mit fortschreitender Muskeldystrophie. Er nutzt einen Elektrorollstuhl und wird mobil beatmet. Das alles hat ihn nicht davon abgehalten, sein Fachabitur zu bestehen – er macht jetzt eine Ausbildung.

Woo ist erst 23 Jahre alt, aber er hat schon einen langen Weg hinter sich. Geboren ist er in Südkorea, mit einem Jahr zog die Familie nach England. Danach verbrachte er ein paar Jahre in Singapur, bevor er in München und schlussendlich bei der Pfennigparade landete. „Das hat mein Leben sehr verändert“, sagt Woo. Er lächelt, dabei hebt sich die Atemmaske, die er rund um die Uhr tragen muss.
An der Wand hinter ihm hängen Kinderfotos. Auf einem spielt Woo Geige, auf dem anderen steht er lachend an einem Fluss mit einem Stock in der Hand. Heute kann Woo keine Geige und keinen Stock mehr halten. Er hat Muskeldystrophie. Das ist eine häufig genetisch bedingte fortschreitende Erkrankung, die nicht heilbar ist und dazu führt, dass die Muskeln seines Körpers immer schwächer werden. Irgendwann können betroffene Menschen ihre Beine und Arme nicht mehr bewegen. Auch die Muskeln der inneren Organe wie Lunge oder Herz sind betroffen. „Als Kind konnte ich noch laufen“, erzählt Woo. Heute sitzt er in einem speziell angepassten elektrischen Rollstuhl.


Sein Körper wird schwächer, sein Kopf und seine psychische Resilienz hingegen sind stark. Woo galt als nur schwer beschulbar – bis er auf Anraten einer Bekannten Kontakt mit der Pfennigparade aufnahm. Zur 6. Klasse kam er auf die Ernst-Barlach-Schule, wo er mithilfe eines Assistenten und technischen Hilfsmitteln seinen Hauptschulabschluss machte. Doch damit wollte er sich nicht zufriedengeben. Er sattelte die Mittlere Reife obendrauf und verließ die inklusive Schule letztendlich mit einem Fachabitur der Fachoberschule in der Tasche. Jetzt macht er bei der Stiftung ICP in München eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. „Das macht mir echt Spaß“, sagt Woo.
Früher erreichten Menschen, die an Muskelschwäche leiden, oft nicht das Erwachsenenalter. Aber es hat sich so viel positiv entwickelt. Medizinisch und auch, was die technische Unterstützung angeht.
Andreas Häuslschmid, Pflegehelfer von Woo in der Intensivfördergruppe
Jeden Morgen um 7 Uhr verlässt er dafür in Begleitung die Wohngruppe der Intensivfördergruppe, eine rund um die Uhr betreute Wohngemeinschaft der Pfennigparade, und kommt erst abends zurück. „Wie er diese langen Tage schafft, weiß ich auch nicht“, sagt Claudia Westerbarkey, die Woo seit vielen Jahren physiotherapeutisch betreut. Ganz sicher helfen ihm dabei seine positive Lebenseinstellung, seine soziale Kompetenz und eine hohe Intelligenz. „Auch seine Familie ist sehr unterstützend“, erzählt die Physiotherapeutin. Der junge Mann im Rollstuhl geht gerne feiern, mag Techno und liebt Computerspiele. „Jetzt wird gezockt, geil!“, freut sich Woo und fährt in sein WG-Zimmer. Den Spielverlauf kann er nur mit dem Mund steuern, aber er gewinnt trotzdem.