Als Valentyna aus der Ukraine nach Deutschland kam, schien sie beruflich in einer Sackgasse zu stecken. Ihr Jurastudium aus der Heimat wurde hier nicht anerkannt. Gleichzeitig erschwerten zwei Behinderungen zunehmend ihren Alltag: Valentyna sitzt im Rollstuhl und ist mittlerweile gehörlos.

Ihr zweites Studium in Deutschland – Philosophie und Komparatistik – hat sie abgebrochen „weil es keinen großen Sinn mehr ergeben hat.“ Die Wende kam mit einer Umschulung zur Bürokauffrau – und einem Jobangebot bei Pfennigparade Business. Inklusiv., einem Bereich der Pfennigparade, der professionelle Dienstleistungen durch ein Inklusionsunternehmen und eine Werkstattgesellschaft erbringt und dabei Inklusion aktiv lebt. Heute arbeitet Valentyna für Business. Inklusiv. an der Technischen Universität München, eingebunden in ein kleines Team der Personalabteilung.
Dort erstellt sie Dokumentvorlagen, Formulare und Inhalte für die Online-Präsenz. Es sind detailorientierte Aufgaben, die ihr liegen. „Teilweise bin ich auch für die Internetpräsenz der TUM zuständig – wenn Neuigkeiten oder Stellenausschreibungen eingestellt werden müssen“, beschreibt sie ihre Arbeit.
Dass sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt an der TUM tätig ist, zugleich aber unter dem Dach der Pfennigparade besonderen Schutz genießt, ist für Valentyna die ideale Lösung: „Die TU behandelt mich wie jede andere Mitarbeiterin. Und bei der Pfennigparade fühle ich mich sicher, fair begleitet und wertgeschätzt.“
Vor einem Jahr erhielt sie ein Cochlea-Implantat. Dieser Schritt hat ihr Leben enorm verbessert. „Als gehörlose Person ist man automatisch von vielem ausgeschlossen. Die Pfennigparade hat mich auf diesem Weg unglaublich unterstützt. Beginnend mit der Arzt- und Kliniksuche, während der Behandlung und bis nach der Operation.“


Ein großer Teil ihres Lebens spielt sich jedoch außerhalb des Büros ab – im Wasser. Seit etwa zehn Jahren kann Valentyna schwimmen. Und das tut sie seither leidenschaftlich gerne und mit großer Disziplin. Beigebracht hat sie sich die Bewegungen komplett allein: „Ich konnte ja keinen Lehrer nehmen, weil ich nicht hören konnte, denn im Wasser musste ich mein Hörgerät abnehmen.“ Also erfüllte sie sich ihren Traum mithilfe von Online-Videos, Geduld und Disziplin. Heute schwimmt sie drei Mal pro Woche zwei bis drei Kilometer. Das kostet viel Zeit, „weil ich praktisch nur mit den Armen schwimme und die Beine nur minimal helfen“. Ihre Ausdauer und Disziplin, aber auch ihr eleganter Stil fallen im Schwimmbad auf. „Andere Badegäste kommen auf mich zu und sagen: Ich habe gesehen, wie Sie immer so stark schwimmen, mit so viel Disziplin – ich komme jetzt auch öfters.“
„Schwimmen ist für mich Freiheit“, sagt sie und hofft, dass ihre Liebe zu diesem Sport auch andere inspiriert: „Ich freue mich immer, wenn ich andere Behinderte im Schwimmbecken sehe.“ Sie selbst nimmt regelmäßig an virtuellen Challenges teil, um motiviert zu bleiben. So ist sie die „Romantische Straße“ geschwommen: über 431 km, die sie in 530 Tage geschafft hat.
Neben dem Sport treibt sie ein weiteres Herzensprojekt an: die italienische Sprache. Seit fünf Jahren lernt sie täglich. Künftig möchte sie eine Sprachgruppe für die Nachbarschaft gründen, um gemeinsam zu üben.
Inklusion bedeutet für Valentyna „dass ich nicht darüber nachdenken muss, inklusiv zu leben, sondern einfach leben kann wie alle anderen.“ Warum sie die Pfennigparade als Arbeitgeber empfiehlt? „Die Pfennigparade Business. Inklusiv. ist sehr menschenorientiert. Es gibt keine Stagnation bei uns. Hier fühle ich mich sicher, stabil und gut aufgehoben und komme zugleich im Leben weiter.“ Valentynas Geschichte ist geprägt von Beharrlichkeit, dem festen Glauben an sich selbst – und Dankbarkeit.
Neben Familie und Freund*innen haben ihr ihre Kolleg*innen in der Pfennigparade dabei geholfen, ihren Weg zu gehen. „Alle Menschen, mit denen ich in Berührung komme, sind herzlich und intelligent. Irgendwie habe ich in diesem Lebensbereich einfach Glück.“