Studie: 80 Prozent der Online-Shops nicht barrierefrei

Mann am Computer bei der Webseitenpflege

Drei Klicks, schon liegt das Kinoticket oder das Geburtstagsgeschenk im digitalen Warenkorb. Schöne neue Online-Welt? Leider nicht: Etwa ein Drittel der Menschen in Deutschland kann 80 Prozent der Online-Shops nur schwer oder überhaupt nicht nutzen. Das ist das ernüchternde Ergebnis der Studie „Digitale Barrierefreiheit“, an der das Test.Labor Barrierefreiheit der Pfennigparade mitgewirkt hat. Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Keine Sprachausgabe, schwache Kontraste, unnötig komplizierte Texte – solche Dinge stellen für Internet-Nutzer*innen Barrieren dar. Barrieren, die für einige Menschen nur lästig, für andere aber unüberwindbar sind. Betroffen sind Menschen, die nicht gut sehen oder lesen können, blinde Menschen und diejenigen mit eingeschränkter Bewegung. Zusammengenommen machen sie fast ein Drittel der Bevölkerung aus. Eine große und relevante Kundengruppe.

Diese Zielgruppe möchte das Internet nicht nur gleichberechtigt nutzen – sie nutzt es sogar überdurchschnittlich intensiv. Tastatursteuerung, Braille-Zeilen, Sprachausgabe oder Joysticks machen es theoretisch möglich. Doch die Webseiten müssen das durch eine standardgemäße Programmierung zulassen.

Genau daran hapert es aber in Deutschland. Nur auf einem Fünftel der beliebtesten Shopping-Portale in Deutschland können Menschen mit den genannten Einschränkungen zumindest selbständig navigieren. Das bedeutet noch nicht, dass sie auch den Einkauf abschließen können. Dabei brennt das Thema: Ab Juni 2025 sind Unternehmen zur Barrierefreiheit von digitalen Produkten und Dienstleistungen gesetzlich verpflichtet. Es drohen Strafen bis 100.000 Euro.

Menschen mit Behinderungen haben ein Recht auf digitale Teilhabe

Aktion Mensch, die Stiftung Pfennigparade, die Beratung BITV-Consult und Google haben im Jahr 2023 gemeinsam einen Test entwickelt. Damit können Online-Shops auf ihre Benutzbarkeit für Menschen mit Behinderungen hin untersucht werden. 2024 wurde diese Testreihe wiederholt und die Methodik weiter verfeinert. Dieses Jahr haben Mitarbeiter*innen des Test.Labors Barrierefreiheit der Pfennigparade die 71 meistbesuchten Onlineshops überprüft. 56 Anbieter fielen bereits beim ersten Schritt, der Bedienung mit der Tastatur, durch. Im Vergleich zum Vorjahr gab es keine Verbesserung.

Susanne Baumer, Betriebsleitung Daten – Medien – Service:

 „Barrierefreiheit ist Usability. Ein barrierefreier Online-Shop zeichnet sich auch durch  verständliche Produktbeschreibungen, logische Benutzerführung und gut erklärte Formuarfelder aus. Das sind alles Features, die jeder Online-Shopper begrüßt.“


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Digitale Barrierefreiheit? Note: Mangelhaft

Mit ihrer Testreihe möchten die Initiatoren sowie die neu hinzugekommene PIA UDG die Bedeutung eines inklusiven Internets für die gesellschaftliche Teilhabe deutlich machen.

Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen in seinem Vorwort zu Studie:

„Digitale Teilhabe zählt zu den Rechten von Menschen mit Behinderungen, die sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention ergeben. Und die hat Deutschland bereits 2009 ratifiziert – das ist nun bereits 15 Jahre her und dieses Jubiläum ist leider nicht nur ein Grund zu feiern.

Denn Deutschland hat nach der zweiten Staatenprüfung im August 2023 ein schlechtes Zeugnis für seine Umsetzung durch den UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen erhalten, auch für die mangelnde Barrierefreiheit im digitalen Raum. Die Forderung des UN-Ausschusses und das Anliegen von Menschen mit Behinderungen ist klar: Barrierefreiheit muss endlich umgesetzt werden. Jetzt und überall.“

Weitere Informationen zur Studie finden Sie auf der Website von „Aktion Mensch“.

Mehr zum Thema Digitale Barrierefreiheit und zu unserem Test.Labor

Die bayerische Beratungsstelle Barrierefreiheit gibt in ihrem Newsletter und Podcast Barriere? Los! noch viele weitere Tipps.

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