Ein Projekt zur Analyse, Verbesserung und nachhaltigen Sicherung der Versorgung
Zwischen Anspruch und Realität: Medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung
Menschen mit Behinderung haben ein gesetzlich verankertes Recht auf eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung. Die Realität zeigt jedoch: Gerade im ambulanten Bereich bestehen weiterhin erhebliche Hürden.
Vor diesem Hintergrund haben sieben Münchner Träger der Eingliederungshilfe (Die Brücke gGmbH, Helfende Hände gGmbH, Stiftung ICP München, Lebenshilfe München e.V., Regens Wagner München, SWW Südbayerische Wohn- und Werkstätten für Blinde und Sehbehinderte gGmbH und der Stiftung Pfennigparade) im Jahr 2024 das gemeinsame Projekt „Zukunft und Sicherung der ambulanten ärztlichen Versorgung von Menschen mit Behinderung“ gestartet.
Ziel war es, die Versorgungssituation systematisch zu analysieren, konkrete Bedarfe sichtbar zu machen und nachhaltige Lösungsansätze zu entwickeln.
Medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung in München: aktuelle Herausforderungen

Die medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung ist vielerorts nicht ausreichend gewährleistet. Zentrale Herausforderungen sind:
- fehlende barrierefreie Arztpraxen
- eingeschränkter Zugang zu Fachärztinnen und Fachärzten
- unzureichende präventive Angebote
- kaum verfügbare Telemedizinlösungen
- hoher organisatorischer Aufwand in Einrichtungen
Gleichzeitig sind Fachkräfte in der Eingliederungshilfe stark belastet – insbesondere durch die Koordination von Arztterminen und die Sicherstellung der Versorgung.
Projekt zur Verbesserung der ambulanten ärztlichen Versorgung in München (2024–2026)
Sieben Münchner Träger – darunter die Pfennigparade – haben daher das Projekt „Zukunft und Sicherung der ambulanten ärztlichen Versorgung von Menschen mit Behinderung“ initiiert und aus Eigenmitteln finanziert.
Ziele des Projekts waren unter anderem:
- Versorgungslücken zu identifizieren
- bestehende Strukturen zu analysieren
- konkrete Verbesserungsansätze zu entwickeln
- die Perspektive von Betroffenen einzubeziehen
Ein zentraler Bestandteil war die enge Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen, Fachpersonal und einem neu gegründeten Patientenbeirat.

Projektvorgehen: Bedarfserhebung und Entwicklung von Lösungen

Im Projekt wurden verschiedene Maßnahmen umgesetzt:
- systematische Bedarfserhebung in Einrichtungen
- Analyse bestehender Versorgungsmodelle
- Aufbau eines Patientenbeirats
- Entwicklung von Materialien zur besseren Vorbereitung von Arztterminen und Hausbesuchen
- fachlicher Austausch zwischen Trägern und medizinischen Akteuren
Ergebnisse zur ambulanten Versorgung von Menschen mit Behinderung: Fachärzte, Prävention und Barrierefreiheit
Die Ergebnisse des Projekts zeigen deutliche strukturelle Defizite:
1. Versorgungssituation
- Hausärztliche Versorgung ist vielerorts noch gegeben
- Fachärztliche Versorgung ist deutlich eingeschränkt
2. Prävention und Digitalisierung
- Präventionsangebote erreichen Menschen mit Behinderung nur unzureichend
- Telemedizin und Videosprechstunden werden kaum genutzt
3. Anforderungen an das Gesundheitssystem
- Ärztinnen und Ärzte benötigen mehr Wissen und Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Behinderung
- Einrichtungen benötigen Unterstützung bei Organisation und Koordination
4. Perspektive der Betroffenen. Menschen mit Behinderung wünschen sich:
- mehr Zeit in der Behandlung
- mehr Wertschätzung
- barrierefreie Zugänge zu Praxen
- wohnortnahe Versorgung und Hausbesuche
Die Etablierung eines Koordinierungsbüros könnte eine Lösung für eine bessere medizinische Versorgung sein
Die Aufgaben des Koordinierungsbüros wären:
- als Schnittstelle zwischen Betroffenen, Einrichtungen und medizinischen Leistungserbringern fungieren
- ein Netzwerk qualifizierter Ärzt*innen und Therapeut*innen aufbauen
- Fortbildungen und Qualifizierungsangebote anbieten
- den Patientenbeirat dauerhaft einbinden
- Kooperationen im Gesundheitswesen initiieren und stärken

Projektabschluss und Zukunft der ambulanten Versorgung

Das Projekt endet planmäßig am 31. Juli 2026.
Die erarbeiteten Ergebnisse und Materialien stehen jedoch weiterhin zur Verfügung und bilden eine wichtige Grundlage für zukünftige Maßnahmen.
Empfehlungen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung von Menschen mit Behinderung
Um die ambulante medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung nachhaltig zu verbessern, sind strukturelle Veränderungen notwendig:
- Anpassung des § 119b SGB V, Erweiterung auf Einrichtungen der Eingliederungshilfe
- Abbau von Zugangsbarrieren, z. B. barrierefreie Praxen, bessere Kommunikation
- Stärkung ambulanter Versorgungsformen, wie Hausbesuche, Videosprechstunden und Telecare
- Qualifizierung medizinischer Fachkräfte, insbesondere zu spezifischen Krankheitsbildern
- Aufbau eines multidisziplinären Netzwerks, bessere Vernetzung von Ärztinnen, Therapeut*innen und Einrichtungen
- Verbesserung der Datenlage, z. B. durch Studien zur fachärztlichen Versorgung
- Einbeziehung psychotherapeutischer Angebote
- Nachhaltige Verankerung des Themas in Politik und Gesundheitswesen
Materialien und Praxishilfen zur medizinischen Versorgung
Stiftung Pfennigparade: Engagement für inklusive medizinische Versorgung in München
Die Pfennigparade setzt sich aktiv für eine inklusive, zugängliche und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung in München ein.
Gemeinsam gestalten wir die Zukunft der medizinischen Versorgung.
Wenn Sie sich als Arzt oder Therapeut angesprochen fühlen und sich ein Engagement – in welcher Form auch immer – vorstellen können, stehen Ihnen folgende Ansprechpartner*in zur Verfügung.
Ansprechpartner*in und Beratung zur ambulanten Versorgung für Menschen mit Behinderung:
Ärztlicher Leiter Pfennigparade MVZ GmbH und MZEB GmbH
Dr. Gregor Scheible
Internist, Pneumologe, Intensiv- und Notfallmedizin
Geschäftsführerin Pfennigparade MVZ GmbH und MZEB GmbH
Heike Baumgartner
Projektmanagement „Ambulante ärztliche Versorgung von Menschen mit Behinderung“
Häufige Fragen zur medizinischen Versorgung von Menschen mit Behinderung in München
Die ambulante medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung in München ist grundsätzlich vorhanden, weist jedoch deutliche Lücken auf. Während die hausärztliche Versorgung vielerorts noch sichergestellt werden kann, bestehen insbesondere bei der fachärztlichen Versorgung erhebliche Einschränkungen. Betroffene und Einrichtungen berichten von langen Wartezeiten, eingeschränkter Terminverfügbarkeit und häufig auch von fehlender Barrierefreiheit in den Praxen.
Viele fach- oder hausärztliche Praxen sind bislang nicht ausreichend auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung vorbereitet. Der Behandlungsaufwand ist häufig höher und erfordert mehr Zeit, Erfahrung und spezifisches Wissen. Gleichzeitig fehlen oft entsprechende Rahmenbedingungen und Vergütungsmodelle, die diesen Mehraufwand angemessen berücksichtigen. Dies führt dazu, dass das Angebot an geeigneten Fach- oder Hausärzten begrenzt ist.
Ein Koordinierungsbüro ist ein zentraler Ansatz, um Möglichkeiten der medizinische Versorgung zu erarbeiten. Es soll als verbindende Stelle zwischen Menschen mit Behinderung, Einrichtungen der Eingliederungshilfe sowie medizinischen Leistungserbringern wirken. Ziel ist es, ein Netzwerk qualifizierter Ärztinnen und Ärzte aufzubauen, den Zugang zu Versorgung zu erleichtern, Fortbildungsangebote zu schaffen und die Zusammenarbeit aller Beteiligten zu stärken.
Im Rahmen des Projekts wurden Materialien und Ansätze entwickelt, die die Vorbereitung und Durchführung von Arztterminen erleichtern. Diese unterstützen dabei, relevante Informationen strukturiert zu erfassen und zu übermitteln sowie die Kommunikation zwischen medizinischem Personal, Menschen mit Behinderung und unterstützenden Einrichtungen zu verbessern. Dadurch können Untersuchungen effizienter und zielführender gestaltet werden.
Um die medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung in München nachhaltig zu verbessern, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich. Dazu gehören der Ausbau barrierefreier Angebote, die stärkere Nutzung von Telemedizin und Videosprechstunden sowie der Aufbau eines verlässlichen Netzwerks aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen. Gleichzeitig sollte die Datengrundlage zur Versorgungssituation verbessert werden, um gezieltere Maßnahmen entwickeln zu können.