Wir wollen Wiesn!

O’zapft is! Zum Oktoberfest hat Dennis sich in Schale geschmissen – oder genauer: in Schale schmeißen lassen. Seit einem Snowboardunfall ist er vom Hals abwärts gelähmt. Deswegen ist Dennis auch nicht nur zum Spaß auf dem Oktoberfest unterwegs.

Er hat einen wichtigen Auftrag: für die Pfennigparade zu testen, wie inklusiv das Oktoberfest ist. Auch die Stadt München ist interessiert daran, aus erster Hand zu erfahren, ob das Oktoberfest seinem Anspruch gerecht wird, ein Fest für alle zu sein.
Drei weitere Kolleg*innen begleiten ihn heute. Sie haben unterschiedliche Einschränkungen. Das ist wichtig, schließlich hat eine Rollstuhlfahrer*in andere Bedürfnisse als eine blinde oder eine gehörlose Person. Gut gelaunt werfen sich die vier mit ihren Begleiter*innen ins bunte Treiben.

Erstmal eine Runde im Riesenrad drehen – daraus hat man den besten Überblick über das Festgelände. Anschließend steht der Besuch eines rollstuhlgerechten Schießstands auf dem Programm. Das klappt schon mal ganz gut. Auf dem Gelände gibt es außerdem einen barrierefreien Infopoint, einige barrierearme Schießbuden, Fahrgeschäfte und Essensstände. Die Tester*innen sind zufrieden.

Zeit für einen Besuch im Festzelt! Für alle großen Festzelte gelten klare Vorgaben: mindestens ein barrierefreier Zugang, eine rollstuhlgerechte Toilette und jeweils 20 ausgewiesene Rollstuhlplätze innen und außen. Doch Dennis bemerkt kritisch: „In den Festzelten sind die Plätze für Rollstühle oft am Rand. Ich finde, zur Wiesn gehört, dass man mittendrin ist, nicht irgendwo außen.“ Sein Anliegen trifft auf prominente Ohren: Neben dem Inklusionsbeauftragten der Festwirte taucht auf einmal Oberbürgermeister Dieter Reiter neben der Gruppe auf. Dennis erfährt, dass das Thema seit ein paar Jahren verstärkt angegangen wird. “Wir müssen hier mehr tun“, so der Oberbürgermeister selbstkritisch.

Auch Dennis‘ Kollegin Katharina sieht noch Verbesserungsmöglichkeiten: “Man könnte zum Beispiel an normalen Bierbänken auf einer Seite die Bank weglassen. Dann können Fußgänger*innen und Rollstuhlfahrer*innen beisammensitzen“, schlägt sie vor.

Insgesamt lautet das Fazit: Es hat sich einiges getan in Sachen barrierefreier Wiesn, auch wenn hier und da noch Luft nach oben ist. Fest steht schon jetzt: Die Wiesn verbindet – und das Thema Barrierefreiheit trägt immer mehr dazu bei.

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