Digitale Barrierefreiheit im Fokus: Behindertenbeauftragter der Bundesregierung Jürgen Dusel besucht Test.Labor der Pfennigparade
München, Juli 2024. Die digitale Barrierefreiheit rückt zunehmend in den Fokus von Medien, Politik und Unternehmen. Vor diesem Hintergrund besuchte Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Mitte Juli das „Test.Labor Barrierefreiheit“ der Stiftung Pfennigparade.
Das Test.Labor Barrierefreiheit ist Teil einer Werkstatt der Pfennigparade. Hier untersuchen Menschen mit unterschiedlichen schwerwiegenden Behinderungen, ob digitale Produkte wie Apps, Touch-Displays oder Websites so programmiert sind, dass auch Personen mit Einschränkungen sie nutzen können. Als Expert*innen in eigener Sache testen die Mitarbeiter*innen beispielsweise, ob sie auf Webseiten auch per Braille-Tastatur, Sprachausgabe oder Joystick navigieren können.
Das Thema findet zunehmend Beachtung. Hauptgrund hierfür ist das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Das Gesetz verpflichtet deutsche Unternehmen zur Barrierefreiheit nach dem European Accessibility Act. Es wurde am 16. Juni 2021 verabschiedet und tritt nach einer Übergangszeit zum 28. Juni 2025 in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt drohen Unternehmen oder öffentlichen Institutionen, deren Webseiten nicht barrierefrei sind, Geldstrafen bis zu 100.000 Euro.
Tatsächlich herrscht in Deutschland erheblicher Nachholbedarf beim Thema digitale Teilhabe. Dies belegt unter anderem die Studie „Digitale Barrierefreiheit“, die auf den umfangreichen Untersuchungen des Test.Labors Barrierefreiheit der Pfennigparade basiert. Die Studie ist das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit von Aktion Mensch, Stiftung Pfennigparade, der Beratung BITV-Consult und dem Software-Konzern Google. Bei ihrer Veröffentlichung rief sie breites Medieninteresse hervor. Das Studienergebnis in aller Kürze: Etwa ein Drittel der Menschen in Deutschland kann 80 Prozent der Online-Shops nur schwer oder überhaupt nicht nutzen.
Der Besuch von Jürgen Dusel war geprägt von einem intensiven Austausch zwischen dem Beauftragten der Bundesregierung, den Mitarbeiter*innen des Test.Labors und den anwesenden Vorständen der Pfennigparade, Dr. Jochen Walter und Ernst-Albrecht von Moreau.
Dr. Jochen Walter:
„Digitale Barrierefreiheit nutzt allen. Sie sorgt dafür, dass digitale Produkte und Inhalte für möglichst alle Menschen nutzbar sind – auch für Menschen, die sich beispielsweise den Arm gebrochen, eine Sehschwäche oder mangelnde Sprachkenntnisse haben. Digitale Teilhabe bedeutet also, dass Webseiten, Software und Apps keine Hindernisse oder Barrieren bei der Bedienung aufweisen und somit für alle zugänglich sind.“
Jürgen Dusel hatte sich in seinem Vorwort zur Studie „Digitale Barrierefreiheit“ wie folgt geäußert:
„Digitale Teilhabe zählt zu den Rechten von Menschen mit Behinderungen, die sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention ergeben. Und die hat Deutschland bereits 2009 ratifiziert – das ist nun bereits 15 Jahre her und dieses Jubiläum ist leider nicht nur ein Grund zu feiern.
Denn Deutschland hat nach der zweiten Staatenprüfung im August 2023 ein schlechtes Zeugnis für seine Umsetzung durch den UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen erhalten, auch für die mangelnde Barrierefreiheit im digitalen Raum. Die Forderung des UN-Ausschusses und das Anliegen von Menschen mit Behinderungen ist klar: Barrierefreiheit muss endlich umgesetzt werden. Jetzt und überall.“
Seit 2009 arbeiten im Test.Labor Barrierefreiheit Menschen mit und ohne Körperbehinderungen am Thema der digitalen Zugänglichkeit. Dafür kombinieren sie eigene Erfahrungen mit dem Wissen um aktuelle Standards. Die Mitarbeiter*innen nutzen hierfür den Beratungsansatz nach dem Digital Accessibility Maturity Model (DAMM). Mit ihrem maßgeblichen Beitrag zur Studie „Digitale Barrierefreiheit“ unterstreicht die Pfennigparade ihren Anspruch, ein authentischer, sozialer und professioneller Partner an der Seite von Politik, Behörden und Unternehmen zu sein.
Über die Stiftung Pfennigparade
Seit die Pfennigparade Anfang der 1950er Jahre als Bürgerbewegung zur Bekämpfung der Polioepidemie gegründet wurde, begleitet sie Menschen mit Körperbehinderung und anderen Beeinträchtigungen in allen Lebensphasen.
In den Lebenswelten Bildung, Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Freizeit und Sport gestaltet sie aktiv inklusive Lebensräume. Dazu schafft die Stiftung mit ihren 15 Tochtergesellschaften und rund 2.500 Mitarbeiten-den mit und ohne Behinderung Strukturen, Räume und Gelegenheiten, die es ermöglichen, dass sich Menschen mit und ohne Handicap begegnen. Ihre maßgeblichen Ziele sind gesellschaftliche Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Behinderung. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungdabei, selbst-bestimmt größtmögliche Aktivität und Lebensqualität zu erreichen.