Pressemeldung

Tanzperformance-Projekt

Personen mit und ohne Gehhilfe führen Tanzbewegungen aus

München, 17. Juni 2026. Worauf kommt es bei zeitgenössischem Tanz an? Auf die richtige Schrittfolge und eine feste Choreographie? Auf das physische Können? Nicht immer, das zeigt jetzt das neue Tanzperformance-Projekt der Stiftung Pfennigparade und des INSEL.Zeit e.V., das aktuell erstmals in München durchgeführt wird. Seit Februar 2026 treffen sich hier 14 Teilnehmende, davon zehn Menschen, die den Rollstuhl nutzen, um zeitgenössischen Tanz aus ihrem Innersten heraus lebendig zu gestalten – unabhängig von größtmöglicher physischer Flexibilität. Alle bringen unterschiedliche Bewegungsfähigkeiten mit, die für den tänzerischen Ausdruck die Grundlage bilden. Unterstützt werden sie von den Initiatorinnen des Projekts, einer erfahrenen Choreografin und Tänzerin, einer Sonderpädagogin im Bereich Sport und Naturpädagogik sowie einer passionierten Tanzlehrenden, die selbst im Rollstuhl sitzt. Einblick für Pressevertretende in eine Übungseinheit am 25. Juni 2026 sowie öffentliche Live-Performance auf der Bühne am 5. Juli 2026 im Petuelpark. Das Projekt wird vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München und drei Bezirksausschüssen unterstützt.

Am Anfang des neuen Tanzperformance-Projekts von Pfennigparade und INSEL.Zeit e.V. steht nicht die Physis, sondern die Frage, was jede*r Teilnehmende individuell mitbringt und welche Strukturen für künstlerischen Ausdruck sich ableiten lassen. Partizipatives Arbeiten lautet der Begriff, der für diese Methodik und Form der Darstellung steht. Das Konzept rückt den Körper in den Mittelpunkt – ohne Verwendung weiterer Hilfsmittel, unterstützender Assistenz oder Geräte. Tanz erwächst aus jeder bewusst ausgeführten Bewegung und ist Ausdruck des inneren Selbst und seiner Umgebung.

Perspektivwechsel durch tänzerischen Dialog

Die Teilnehmenden erkunden unterschiedliche Innenräume, ein weiteres Modul arbeitet mit der Wechselwirkung von Körper und Natur. Wie fühlt sich Sonnenlicht auf der Haut an? Welche Bewegungen entstehen aus Wärme, Licht oder Wind? Wie beeinflusst die sinnliche Wahrnehmung die Bewegung?

In einer bereits entstandenen Sequenz streben die Protagonisten etwa gleich einem Bienenschwarm auseinander und finden wieder zusammen. In der Entwicklung der Performance, der dritten Stufe, bündeln sich die Bewegungsmuster und Sequenzen mit choreografischen Elementen hin zu einer Live-Perfomance, in der alle Tänzerinnen und Tänzer die eigenen Grenzen ausdehnen. Nicht allein ihr Erleben wird sichtbar, sondern allen voran ihr Mut und ihre Offenheit, sich einzulassen – auf die Bewegung, den Dialog mit ihrer Umgebung und das lebendige Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung. 

Ricarda, 56 Jahre, findet im Tanz völlige neue Bewegungsformen

„Ich entdecke für mich neue Bewegungsformen, die ich in meinem Alltag nie oder unbewusst mache“, sagt Ricarda Marx, die mit infantiler Zerebralparese lebt. „Ich muss mich daran gewöhnen, dass die Bewegung aus mir selbst herauskommen darf. Ich bin gespannt, wie ich mich auf der Bühne vor Publikum bewegen werde.“

Das Projekt von Pfennigparade und INSEL.Zeit e.V. ist an das naturphilosophische Werk „Selbst-Natur-Sein“ von Phillip Thomas angelehnt, in dem der Körper als die unmittelbarste Naturerfahrung herausgestellt wird. Bewegungen sind weder richtig noch falsch, sondern allein tänzerisch-kreativer Ausdruck. Das Projekt, das sich „Selbst-Tanz-Sein“ nennt, betont die Unterschiedlichkeit von Menschen und hebt jede Ab- und Aufwertung von Menschen mit und ohne Behinderung auf. „Wer atmen kann, kann tanzen“, sagt Alito Alessi, Pionier der DanceAbility im zeitgenössischen Tanz.

So viele Menschen mit Behinderung nehmen teil, wie nie zuvor an einem vergleichbaren Projekt

Menschen mit Beeinträchtigung haben nur selten Zugang zu offenen Tanzprojekten, da die Bedarfe nicht auf alle Menschen gleichermaßen abgestimmt sind und die Infrastruktur nicht zur Verfügung steht. Umso bemerkenswerter ist, dass so viele Menschen mit Behinderung teilnehmen, wie nie zuvor an einem vergleichbaren Projekt. Alle Beteiligten würden sich freuen, wenn es weitergeht.

Das inklusive Projekt »Selbst-Tanz-Sein« findet in Kooperation mit INSEL.Zeit e.V. und der Stiftung Pfennigparade statt und wird im Rahmen der Förderung »Tanz- und Theaterproduktionen mit Laien 2026« vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München unterstützt.

Veranstaltungshinweise

Zeitgenössisches Tanzprojekt von Menschen mit und ohne Behinderung Einblick in eine Übungseinheit mit Live-Performance

Termin und Adresse:
Am 25.06.2026 von 16:45 bis 18:15 Uhr, Treffpunkt am Haupteingang der Ernst-Barlach-Schule der Pfennigparade in der Barlachstraße 38, 80804 München,Übungseinheit mit zeitgenössischer Tanzperformance von Menschen mit und ohne Behinderung (davon zehn Teilnehmende, die im Rollstuhl sitzen), Erarbeitung einer Choreografie, Impulsarbeit, Vorbereitung auf die Live-Performance auf der Bühne, Begleitung der Protagonisten in der Performance durch einen Akkordeonspieler.Am 05.07.2026 von 17 bis 18 Uhr: Live-Performance im Petuelpark, Klopstockstraße 10, 80804 München

Ansprechpartnerin vor Ort: Julia Baaken von der Stiftung Pfennigparade, Referentin für Kommunikation, Tel: 0151 195 59 231.

Zum Gespräch stehen bereit: Die Teilnehmenden des Tanzperformance-Projekts mit und ohne Behinderung, Barbara Galli-Jescheck, freischaffende Choreografin, Tänzerin und Mitinitiatorin des Projekts (Tel: 0173 6936835), Gina Lou Gleissner, Sonderpädagogin im Bereich Sport und Naturpädagogik und ebenfalls Mitinitiatorin (Tel: 0151 19558500), Vanessa Thron, Tanzvermittlerin und selbst den Rollstuhl nutzend (Tel: 0179 4140592), Janina Wildgruber von der Stiftung Pfennigparade, die das Projekt begleitet, (Tel: 0160 5960887) sowie Ricarda Marx, Teilnehmende.

Über die Stiftung Pfennigparade

Seit die Pfennigparade Anfang der 1950er Jahre als Bürgerbewegung zur Bekämpfung der Polioepidemie gegründet wurde, begleitet sie Menschen mit Körperbehinderung und anderen Beeinträchtigungen in allen Lebensphasen.
In den Lebenswelten Bildung, Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Freizeit und Sport gestaltet sie aktiv inklusive Lebensräume. Dazu schafft die Stiftung mit ihren 13 Tochtergesellschaften und rund 2.600 Mitarbeitenden mit und ohne Behinderung Strukturen, Räume und Gelegenheiten, die es ermöglichen, dass sich Menschen mit und ohne Handicap begegnen und gefördert werden. Ihre maßgeblichen Ziele sind Förderung, gesellschaftliche Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Behinderung. Sie unterstützt Menschen mit Behinderung dabei, selbstbestimmt größtmögliche Aktivität und Lebensqualität zu erreichen.

Über den INSEL.Zeit e.V.

Der INSEL.Zeit e.V. steht für gelebte Inklusion im Sport. Als vollständig inklusiver Sportverein ermöglicht er Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsame Erlebnisse – auch dort, wo viele zunächst an Grenzen denken. Ob Skifahren, Klettern oder Wandern: Der INSEL.Zeit e.V. zeigt, dass Teilhabe möglich ist.

Die Pressemitteilung zum Download

Die Pressebilder zum Download

Ihre Ansprechpartnerin für weitere Presseinformationen: Heike Harenberg, Telefon: +49 1746688516, E-Mail: heike.harenberg@harenbergpr.de

Zurück zur vorherigen Seite