Sofia sitzt wegen einer seltenen Muskelerkrankung im Rollstuhl. Nach Unterrichtsschluss an der inklusiven Ernst-Barlach-Schule besucht sie die Heilpädagogische Tagesstätte für körperbehinderte Schüler*innen. Dort macht die Viertklässlerin nicht nur ihre Hausaufgaben, sondern wächst zu einer selbstständigen Jugendlichen heran.
Mit Mut und Lebensfreude
Sofia hat eine Muskelerkrankung und meistens gute Laune. Die beinahe zwölfjährige Schülerin lacht viel, singt gut und gerne und liebt es, zu tanzen.
Als die Diagnose für die fortschreitende Muskelschwäche gestellt wurde, war sie zwei Jahre alt. Inzwischen kann sie nicht mehr laufen oder stehen und nutzt einen Rollstuhl.
Doch davon lässt sie sich nicht ausbremsen. Nach dem Unterricht fährt Sofia jeden Tag in die Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) – eine Art Hort für körperbehinderte Schüler*innen der Ernst-Barlach-Schulen.


Sich selbst vertrauen können
Dort lernt sie nicht nur für die Schule, sondern fürs Leben. Mithilfe gezielter Förder-, Therapie- und Freizeitangebote soll sie so selbstständig wie möglich werden, damit sie am gesellschaftlichen Leben selbstbestimmt und mit (Lebens-)Freude teilhaben kann.
Sofia besucht die Einrichtung schon seit fünf Jahren. In dieser Zeit hat sie große Fortschritte gemacht. „Sofia versucht alles, was ihr möglich ist, ohne fremde Hilfe zu schaffen“, erzählt Kasia Esen, die Sofias Gruppe von ungefähr zehn gleichaltrigen Schüler*innen an der Heilpädagogische Tagesstätte pädagogisch begleitet.
Mit Freude und Freund*innen
Das gelingt ihr immer besser. Sie macht ihre Hausaufgaben weitgehend eigenständig. Beim gemeinsamen Einkaufen in der Gruppe hat sie den Einkaufskorb auf ihrem Schoß. Sie überlegt sich Spielideen, ist hilfsbereit und hat immer ein offenes Ohr für ihre Mitschüler*innen.
An der HPT ist Sofia unter Freund*innen – sei es in der Theatergruppe, der Trommelgruppe oder der „Lilo und Stitch Gruppe“, die als Unterstützung der Behinderungsverarbeitung dient und Kindern mit ähnlichen Erkrankungen die Möglichkeit gibt, sich untereinander spielerisch auszutauschen.
Etwa hundert Plätze hat die Heilpädagogische Tagesstätte an körperbehinderte Grund-, Mittel- und Realschüler*innen der Ernst-Barlach-Schulen zu vergeben.


Selbständigkeit üben
Die Plätze sind sehr begehrt, weil die Heilpädagogische Tagesstätte nicht nur für die schulischen, sondern insbesondere auch die persönliche Entwicklung wertvolle Arbeit leistet. Wie in jedem Hort gibt es hier ein Mittagessen und Betreuung bei der Erledigung der Hausaufgaben.
Aber zusätzlich hat Sofia einmal in der Woche Physio- und Ergotherapie, was ihre Familie organisatorisch sehr entlastet. Außerdem können die Schüler*innen zwischen vielfältigen Kunst- und Sportangeboten wählen. Sofia zum Beispiel ist begeisterte Rollstuhltänzerin. Sie denkt sich selbst Choreografien aus und scheut auch nicht den Auftritt auf der Bühne bei Schulaufführungen. Sofia hat keine Angst vor dem Scheinwerferlicht. Im Gegenteil: Sie zeigt gerne, was sie kann.
Nichts und niemand hält sie auf
An der Heilpädagogischen Tagesstätte lernt Sofia, sich so frei wie möglich und ohne Barrieren im Kopf in der Welt zu bewegen. Selbständigkeit wird aktiv geübt durch Ausflüge, gemeinsames Einkaufen, Spielen im Park oder auf den Schulfluren mit Mitschüler*innen mit und ohne körperliche Behinderungen.
So lernt Sofia in der Schule am Vormittag Lesen, Rechnen und Schreiben und am Nachmittag, mit Schwierigkeiten im Alltag klarzukommen und mit Selbstvertrauen durchs Leben zu gehen. Ja, sie sitzt im Rollstuhl. „Aber nichts und niemand hält mich davon ab, das zu tun, was ich mir wünsche“, sagt Sofia und lacht.
